Von Gummibärchen nach dem Schulunterricht bis hin zu einem Milliardenproblem – oder: Reden wir über die „Zuckersteuer“

Tax & Accounting

Von: Lukáš Pflug

Es ist ein recht alltäglicher Anblick. Kleine Schulkinder rennen nach dem letzten Klingeln aus der Schule und ihr erster Halt ist der nächste Laden. Dort kaufen sie sich für wenig Geld Süßigkeiten, einen Keks oder ein süßes Getränk und schlendern durch die Stadt nach Hause. Diese kleine schlechte Angewohnheit, die sich unmerklich zu einer Gewohnheit entwickelt, hat jedoch letztendlich systemische Auswirkungen. Und diese werden sich einige Jahrzehnte später in Milliardenhöhe an Kosten für die Behandlung von Krankheiten widerspiegeln, die mit einem ungesunden Lebensstil zusammenhängen.

Dieses Bild ist kein Vorwurf. Vielmehr soll es zum Nachdenken anregen. Verfügen wir überhaupt über solche Instrumente, um den negativen Trend umzukehren? Und wenn ja, warum nutzen wir sie nicht?

Ein solches Instrument könnte die sog. „Zuckersteuer“ sein, also die Besteuerung von gesüßten Getränken und Süßwaren. So repressiv das auch klingen mag, diese Maßnahme hat sich in einigen EU-Ländern bereits bewährt. Die Daten zeigen, dass sie nicht nur fiskalische, sondern auch gesundheitliche Vorteile bietet. Die Zuckersteuer ist seit der Ersten Republik bekannt, als sie von der Regierung Tomáš Garrigue Masaryks nach dem Vorbild Österreich-Ungarns eingeführt wurde. Damals war Zucker kein alltägliches Lebensmittel und galt daher als Luxusgut, dessen Besteuerung sich leicht kontrollieren ließ. Wie Sie weiter unten lesen werden, gilt dieses Privileg heute jedoch nicht mehr.

Doppelter Nutzen: Einnahmen und Ersparnisse

Aus ökonomischer Sicht birgt eine Zuckersteuer das Potenzial, den Staatshaushalt gleichzeitig in zweifacher Hinsicht zu verbessern. Kurzfristig führt sie zu höheren Staatseinnahmen. Langfristig kann sie zudem die Gesundheitsausgaben senken, da der Zuckerkonsum sinkt – und damit auch die Häufigkeit von Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut einer Studie der Europäischen Kommission würde die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke in Tschechien und die damit verbundene Preiserhöhung von 10 % zu einem Rückgang des Konsums um rund 13,5 %, führen, was sich zweifellos positiv auf die Gesundheit der Bürger auswirken würde.

Darüber hinaus zeigen Modellberechnungen, dass selbst bei sehr konservativen Schätzungen eine solche Maßnahme Milliarden an Nutzen bringen könnte. Würden diese Vorteile dem System zurückfließen – beispielsweise in Form von Zuschüssen für gesunde Schulmahlzeiten, Beiträgen zu Naturerlebnisschulen oder Aufklärungskampagnen in Schulen – könnte sich ihre positive Wirkung vervielfachen. Die Maßnahme würde dann von der Öffentlichkeit nicht als repressiv, sondern als Instrument zur Förderung eines gesunden Lebensstils wahrgenommen.

Politische und systemische Realität

Es klingt einfach. Doch die Realität wäre wesentlich komplizierter.

Schon die Definition dessen, was besteuert werden soll, stößt auf unklare Produktgrenzen. Was ist ein zuckerhaltiges Getränk? Was, wenn es zusätzlich Vitamine enthält? Was ist mit einem Proteinstange mit Zuckerzusatz? Werden Verbraucher, wenn die Steuer nur auf zuckerhaltige Produkte erhoben wird, nicht auf fettreiche Alternativen ausweichen, die bei hohem Konsum ebenfalls gesundheitsschädlich sein können?
Die Regulierung müsste präzise, durchdacht, fair und gleichzeitig administrativ umsetzbar sein.

Hinzu kommt die Frage der Steuererhebung und -kontrolle. Für große Handelsketten, Online-Händler und Importe würden unterschiedliche Regeln gelten. Und wie verhält es sich mit grenzüberschreitenden Verkäufen? Die Verhinderung von Steuerarbitrage (z.B. durch Einkäufe in steuerfreien Ländern) würde die Zusammenarbeit mit Nachbarländern erfordern – oder zumindest eine konsequente Überwachung. Fraglich ist auch, ob die durch die Kompliziertheit der Steuererhebung entstehenden Verwaltungskosten für den Staat die Steuereinnahmen wesentlich schmälern würden (ganz zu schweigen von den Kosten für die korrekte Steuerabführung im privaten Sektor).

Und nicht zuletzt wäre es notwendig, politische Unterstützung zu sichern. Steuern sind unpopulär, insbesondere wenn sie den alltäglichen Konsum betreffen. Die Maßnahme müsste daher sehr gut kommuniziert werden – nicht als Strafinstrument, sondern als Investition in die zukünftige Gesundheit und Prävention.

Der Weg zur Reform kann möglicherweise nicht direkt sein

Ja, es ist eine Herausforderung. Dennoch sind die aktuellen Debatten über die „Zuckersteuer“ auf Ebene der Europäischen Union und der tschechischen Politik sinnvoll. Der Grundgedanke, dass es wirtschaftlich vorteilhaft ist, gesündere Alternativen zu bevorzugen und ungesunde zu besteuern, ist legitim und rational.

Und wenn unser Ziel nicht nur darin besteht, Defizite zu reduzieren, sondern auch die Lebensqualität zu steigern, dann ist dieser Weg (vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen sind richtig) vielleicht einer der sinnvollsten Schritte.