Die demografische Entwicklung in der Tschechischen Republik zeigt deutlich, dass einheimische Arbeitskräfte bzw. Erwerbsbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten nicht ausreichen wird, um den Bedarf des Arbeitsmarktes zu decken. Expertenschätzungen zufolge werden in den nächsten 15 bis 20 Jahren rund eine Million Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen, was zusätzliche wirtschaftliche Herausforderungen mit sich bringt – von der Sicherung der Renten bis hin zu steigenden Gesundheitskosten.
Die Notwendigkeit der Arbeitsmigration
Branchenübergreifend warnen Unternehmen daher bereits heute, dass die tschechische Wirtschaft ohne die Einbeziehung ausländischer Arbeitskräfte nicht mithalten könne. Präsident des Industrie- und Transportverbandes, Jan Rafaj, betonte in einer Diskussion auf ČT24, dass die Einbeziehung qualifizierter Fachkräfte deutlich schneller erfolgen müsse und Arbeitnehmer mit geringerer Qualifikation hingegen besser vor unehrlichen Arbeitgebern geschützt werden müssten.
Das Ministerium für Arbeit und Soziales hat deshalb seit Juli die Quoten für Arbeitnehmer aus Ländern außerhalb der Europäischen Union erhöht und diese gleichzeitig nach Ländern differenziert. Zudem wurden für ausgewählte Berufe und Regionen sogenannte „Fast Tracks“, also beschleunigte Genehmigungsverfahren, eingeführt.
Es geht nicht um Konkurrenz für einheimische Arbeitskräfte
Die Befürchtung, dass Ausländer den Tschechen die Arbeitsplätze wegnehmen, ist durch Statistiken längst widerlegt. Es herrscht weiterhin ein Mangel an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt, sowohl für hochqualifizierte Positionen als auch für manuelle Tätigkeiten. Das zeigt auch das Beispiel der ukrainischen Flüchtlinge: Obwohl rund 600.000 von ihnen in Tschechien bleiben und die meisten von ihnen arbeiten, ist die Nachfrage der Arbeitgeber nach Arbeitskräften weiterhin hoch.
Digitalisierung als Schlüssel zu schnellerer Integration
Der komplizierte und langsame Prozess der Anwerbung von Arbeitnehmern aus Drittstaaten bleibt jedoch ein Problem. Der Verwaltungsaufwand bremst Unternehmen und Bewerber selbst. Vertreter der Wirtschaft plädieren daher für eine beschleunigte Digitalisierung des gesamten Systems. Ihrer Ansicht nach würde die elektronische Bearbeitung von Bewerbungen die Zeit bis zur Stellenbesetzung deutlich verkürzen und die Transparenz des Managements erhöhen.
Jan Rafaj betont, dass, wenn es tschechischen Unternehmen nicht gelingt, innerhalb weniger Tage ausländische Fachkräfte anzuwerben, werden sie von einem anderen Land schneller angenommen. Die niedrige Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein Problem in Tschechien, sondern in ganz Europa. Der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Daher ist es für die Tschechische Republik unerlässlich, ein transparentes, schnelles und faires System der Arbeitsmigration zu schaffen, das das Wirtschaftswachstum ermöglicht und gleichzeitig fair Bedingungen für Arbeitnehmer aus dem Ausland gewährleistet.