Aktuelle Entwicklung bei IFRS: geopolitische Risiken, Kontrolle über Unternehmen und Vereinfachung von Mietverträgen (Leasing)

IFRS & US GAAP Beratung

Von: Filiz Kartova

Die aktuelle Entwicklung der wirtschaftlichen Bedingungen und des geopolitischen Umfelds bringt ein gewisses Maß an Unsicherheit mit sich, was in der Finanzberichterstattung berücksichtigt werden muss. Sowohl große Beratungsunternehmen als auch die für die Erstellung und Interpretation von Rechnungslegungsstandards verantwortlichen Institutionen reagieren auf diese Tatsache. Im Folgenden fassen wir ausgewählte aktuelle Bereiche zusammen, die kürzlich im IFRS-Bereich diskutiert werden.

IFRIC: Bewertung der Kontrolle nach Änderungen in der Entitätsstruktur

Auf IFRIC-Ebene wurde die Frage diskutiert, ob eine Rechnungseinheit eine Entität weiterhin kontrolliert, wenn es erhebliche Änderungen in ihren Gründungsdokumenten gibt – zum Beispiel Änderungen relevanter Aktivitäten, Rechte oder beteiligter Seiten.

Die maßgebende Schlussfolgerung war, dass bei solchen Änderungen (auch wenn es keine gängige Praxis ist), das Unternehmen verpflichtet ist, das Bestehen von Kontrollen (Beherrschung) nach IFRS 10.8 neu zu bewerten. Mit anderen Worten: Wesentliche Veränderungen in der Funktionsweise der Entität erhöhen die Notwendigkeit einer neuen Analyse der Kontrolle.

Neuer IFRS-20-Standard (Mai 2026)

Die IASB führt einen neuen Standard ein – IFRS 20 Regulatory Assets and Regulatory Liabilities (Regulatorische Vermögenswerte/Aktiva und regulatorische Verbindlichkeiten/Passiva), der den aktuellen IFRS-14-Standard Regulatory Deferral Accounts (Regulatorische Ausgleichskonten) ersetzen soll. Die Veröffentlichung wird im Mai 2026 erwartet. Dieser Standard gilt beispielsweise für Energie- und Wasserwerkunternehmen.

Weitere Informationen zu diesem Standard finden Sie auf der Website www.ifrs.org oder im Artikel IFRS 20 Regulatory Assets and Regulatory Liabilities.

IASB: Auf dem Weg zur Vereinfachung von IFRS 16

Die IASB beschafft sich derzeit mit der Überprüfung von IFRS 16 (Leasingverträge). Analysen haben gezeigt, dass die mit der Anwendung verbundenen Kosten höher sind als ursprünglich erwartet. Daher ist das Ziel nicht, die Prinzipien des Standards zu ändern, sondern die administrative Belastung zu verringern.

Zwei Bereiche werden insbesondere diskutiert:

  • Eine Neubewertung der Leasing-/Mietverbindlichkeit – eine Verringerung der Häufigkeit
    der Neubewertung oder deren methodische Vereinfachung wird in Betracht gezogen.
  • Diskontsätze – Ziel ist es, die Kompliziertheit deren Festlegung zu verringern, zum Beispiel
    durch die Einführung eines einfacheren Vorgehens oder die Reduzierung häufiger Aktualisierungen
    als Reaktion auf Marktänderungen.

Auswirkungen der geopolitischen Lage auf Finanzberichte

Im Hinblick auf die Auswirkungen der geopolitischen Lage auf die Finanzberichterstattung wurde ein unterstützendes Material veröffentlicht, bei dem der Schwerpunkt insbesondere auf Bereichen liegt,
in denen das Maß an Urteilsvermögen und Unsicherheit zunimmt:

  • Veröffentlichung von Buchhaltungsschätzungen,
  • Testen betr. Wertminderung (impairment),  
  • Fair-Value-Bewertung,
  • Bewertung nachteiliger Verträge.
  • und andere zusammenhängende Bereiche.

Die Publikation analysiert gleichzeitig diese Auswirkungen anhand mehrerer Standards, wie zum Beispiel
IFRS 16, IFRS 9, IFRS 5 oder IAS 2 und weitere. In all diesen Bereichen wird Wert auf Transparenz und
qualitativ hochwertige Offenlegung von Informationen in den Finanzberichten/Rechnungsabschlüssen gelegt.

Fazit

Die aktuellen Entwicklungen im IFRS-Bereich bestätigen die zunehmende Betonung von Transparenz und qualitativ hochwertigen Offenlegungen, insbesondere in Bedingungen erhöhter Unsicherheit. Gleichzeitig wird versucht, einige Anforderungen zu vereinfachen, damit die Anwendung von Standards administrativ weniger anspruchsvoll ist. Für Rechnungseinheiten bleibt es daher entscheidend, diese Veränderungen kontinuierlich
zu verfolgen und in der Praxis zu berücksichtigen.