In den letzten Jahren hat sich die tschechische Debatte über Abfallverbrennungsanlagen von einer reinen Ebene „Abfallentsorgung“ auf Energie- und Systemebene verschoben. Anlagen für Energierückgewinnung von Abfällen (Abfall-zu-Energie-Anlagen, abgekürzt ZEVO), werden nicht mehr nur als Auslass für gemischte Kommunalabfälle wahrgenommen, sondern auch als Wärmequelle für Wärmeversorgungssysteme, als Ersatz für Teile der Kohlequellen und als potenzieller Faktor für eine höhere lokale Energie-Resilienz. Der neue Abfallentsorgungsplan der Tschechischen Republik für den Zeitraum 2025–2035, der am 23. Juli 2025 von der Regierung verabschiedet wurde, basiert auf der Hierarchie des Abfallmanagements: Abfallprävention, maximale Wiederverwertung (Recycling) und Abfallverwendung und erst danach Energierückgewinnung oder -entsorgung.
Moderne Abfall-zu-Energie-Anlagen können nicht mehr nur als Energie- und Wärmequelle betrachtet werden. Ein wichtiger Teil ihres Beitrags ist auch die Materialnutzung von Verbrennungsresten. Eisen- und Nichteisenmetalle können aus Schlacke, die etwa ein Viertel des Gewichts des Vorabfalls ausmacht, gewonnen und als sekundäre Rohstoffe wieder in den Umlauf gebracht werden, betont Petr Branda, Manager von Grant Thornton und Experte für Abfallmanagement.
In der Tschechischen Republik sind derzeit vier große ZEVO-Abfallbehandlungsanlagen für kommunalen Abfall in Betrieb: Prag-Malešice, SAKO Brno, Termizo Liberec und Chotíkov bei Plzeň. Nach verfügbaren Informationen wurde im Jahr 2024 eine Rekordmenge an festem kommunalem Abfall zur Energiegewinnung verwendet, nämlich 830.000 Tonnen. Die Anlagen erzeugten 261 GWh Strom und lieferten 2,8 PJ Wärme. Die ZEVO-Anlage in Prager Malešice ist zur größten Quelle geworden, deren Abfallrückgewinnungskapazität von ursprünglich 330.000 Tonnen auf 480.000 Tonnen pro Jahr erhöht wurde, was die zulässige Obergrenze darstellt; aber die tatsächliche Auslastung könnte niedriger sein. Brünner ZEVO-Anlage hat eine Kapazität von 248.000 Tonnen, ZEVO in Liberec 96.000 Tonnen und ZEVO in Chotíkov 120.000 Tonnen pro Jahr.
Der Aufbau neuer Kapazitäten bewegt sich bereits von der Absichtsphase zur Umsetzung. Am sichtbarsten ist das Projekt EVO Komořany bei Most, dessen Bau im August 2024 begann und von dem erwartet wird, jährlich bis zu 150.000 Tonnen Kommunalmüll zur Energiegewinnung zu verwenden. In Mělník hat CEZ eine Baugenehmigung für eine ZEVO-Anlage mit einem Energieeinsatz von etwa 110 MWt und einer Kapazität von etwa 320.000 Tonnen Abfall pro Jahr erhalten; ein Testbetrieb ist für den Jahreswechsel 2027 zu 2028 erwartet. Weitere Projekte werden in Planá nad Lužnicí, Písek, Vrátě bei České Budějovice, Opatovice und Brünn vorbereitet oder diskutiert, wo ein dritter Kessel in Betracht gezogen wird, der die Kapazität von SAKO Brno bis auf 370.000 Tonnen pro Jahr erhöhen sollte.
Die Umweltorganisation Arnika weist darauf hin, dass die Investitionskosten tschechischer ZEVO-Anlagen im internationalen Vergleich zu den höchsten gehören: Laut ihrer Analyse beträgt eine installierte Tonne der jährlichen Kapazität etwa 1.000 EUR, während in entwickelten westlichen Ländern üblicherweise ein Bereich von 600 bis 1.000 EUR angegeben wird. Für eine Anlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr würde dies eine Investition von etwa 2,5 Milliarden CZK bedeuten. Gleichzeitig gibt Arnika an, dass die Verbrennung von einer Tonne Kommunalmüll etwa 800 bis 1.500 CZK kostet und viele Projekte von Subventionen aus dem Modernisierungsfonds abhängig sind.
Wird es in Zukunft genug Abfall geben?
Das Hauptrisiko liegt jedoch in der Qualität und Quantität des Inputabfalls. Der ČAOH-Verband1) weist darauf hin, dass zur Erreichung der Recyclingziele etwa 85 % des kommunalen Abfalls sortiert und behandelt werden müssen. Gleichzeitig verändert eine intensivere Sortierung die Zusammensetzung von gemischten Kommunalabfällen: Recycelbare und brennbare Komponenten werden reduziert, und in einigen Systemen mit fortschrittlicher Sammlung kann die Heizkraft des Restabfalls deutlich reduziert werden. Dies ist ein Grundproblem für Großkapazitäts-ZEVO-Anlagen, die einen stabilen Abfallfluss in passender Heizkraft und -menge benötigen.
Deshalb wächst die Bedeutung fester alternativer Brennstoffe (TAP). Diese werden hauptsächlich aus nicht recycelbaren Restabfällen von Sortierlinien gewonnen und können in Zementwerken, Kalkwerken oder Heizanlagen verwendet werden. Laut ČAOH-Verband könnte der Einsatz von TAP in der Heizungsindustrie wirtschaftlich sinnvoller sein als der Bau einer separaten großen ZEVO-Anlage – die Investitionskosten sind niedriger, der Betrieb flexibler und Heizkraftwerke können TAP mit anderen Brennstoffen kombinieren. Das Problem ist jedoch die regulatorische Beschränkung, wonach gemäß der einschlägigen Verordnung nur Quellen über 20 MW TAP verbrennen dürfen, was die Nutzung kleinerer kommunaler Heizanlagen erschwert.
Neben dem kommunalen Abfall wird aus Sicht der Industrie der zweite, vielleicht sogar noch dringendere Bereich – die Verbrennung gefährlicher Abfälle – oft vernachlässigt. Der ČAOH-Verband gibt an, dass in der Tschechischen Republik 21 Verbrennungsanlagen für gefährliche Abfälle mit einer Gesamtkapazität von etwa 104.000 Tonnen pro Jahr betrieben werden, während laut dem neuen Abfallentsorgungsplan etwa 45.000 Tonnen Kapazität für brennbare gefährliche Abfälle fehlen. Wahrscheinlich auch aus diesem Grund wird derzeit die Absicht geprüft, eine Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in der Nähe von Litvínov mit einer Kapazität von 50.000 Tonnen pro Jahr zu errichten.
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