Wenn Sie die jüngste Kommunikation zur Währungspolitik und zur weiteren Richtung der Zinssätze verfolgt haben, ist Ihnen vielleicht eine interessante Diskrepanz aufgefallen. Die offizielle Prognose lautet deutlich restriktiver, d.h. inflationsfeindlich und befürwortet höhere Zinssätze, während einige öffentliche Auftritte des Bankrats die Möglichkeit eines vorsichtigen Rückschritts, vom aktuellen Niveau von 3,50 % nach unten zulassen. Gleichzeitig impliziert das grundlegende Szenario des analytischen Mainstreams Stabilität der Sätze und schließt nicht einmal eine leichte Erhöhung im nächsten Jahr aus. Das ist ein deutlich anderes Bild als das, das die Finanzmärkte vor nicht allzu langer Zeit gezeichnet haben.
Die Prognose erwartet ein relativ schnelles Wirtschaftswachstum und nur eine allmähliche Abschwächung des Lohndrucks. Obwohl die Inflation sich deutlich verlangsamt hat, bleibt die Struktur der Preisentwicklungen, insbesondere bei Dienstleistungen, sensibel gegenüber der Inlandsnachfrage und dem Lohnwachstum. Gerade diese Faktoren halten den Bankvorstand vorsichtig.
Mehrere Kräfte stehen gegeneinander. Lohndruck und höhere Dienstleistungspreise implizieren die Notwendigkeit, die Sätze höher zu halten, um die Preisstabilität zu wahren. Andererseits dämpft eine stärkere Krone (CZK) die Importinflation und eröffnet Raum für eine moderatere Einstellung der Währungsbedingungen. Insgesamt werden diese Einflüsse weitgehend neutralisiert. Heute deutet das Basisszenario auf eine Zinsstabilität im Jahr 2026 hin, statt auf einen weiteren Rückgang. Sollte es zu einer weiteren Minderung kommen, wäre dies höchstwahrscheinlich ein technischer Schritt in Richtung eines neutralen Niveaus und nicht der Beginn eines neuen Lockerungszyklus.
Dies ist keine ermutigende Nachricht für Haushalte, die auf günstigere Hypotheken warten, oder für Unternehmen, die eine deutliche Satzsenkung bei Krediten anstreben. Schließlich haben Zentralbanker wiederholt angedeutet, dass der neutrale Zinssatz "mit einer Drei beginnt, nicht mit einer Zwei." Mit anderen Worten: Eine Rückkehr zu "billigem Geld" ist nicht möglich. Gleichzeitig kann es sich die Tschechische Nationalbank nicht leisten, ein Signal zu senden, dass der Kampf gegen Inflationsrisiken definitiv gewonnen ist. Heute sind der Ruf und die Verankerung der Inflationserwartungen genauso wichtig wie die Zahlen in den Tabellen selbst.
Gleichzeitig wird oft argumentiert, dass das aktuelle Zinsniveau Investitionen erstickt. Die Realität ist komplizierter. Das Zinsniveau ist heute nicht die einzige oder wichtigste Bremse für die Investitionstätigkeit. Mehr als nur den Geldwert haben Unternehmen es mit Unsicherheiten hinsichtlich zukünftiger Nachfrage, dem regulatorischen Umfeld und geopolitischen Entwicklungen zu tun. Die tschechische Wirtschaft ist stark exportorientiert, weshalb auch Entwicklungen im Ausland für sie entscheidend sind. Entscheidungen bei großen Projekten basieren daher nicht nur auf dem Repo-Zinssatz, sondern auf dem Gesamtbild der Risiken.
Die Zinssätze sind immer noch relativ restriktiv, aber die Wirtschaft hat sich weitgehend daran gewöhnt. Schließlich zeigt das prognostizierte Wachstum, dass es nicht unmöglich ist, bei diesem Niveau zu funktionieren. Heute wird die Investitionstätigkeit stärker von der Bereitschaft der Kreditantragsteller, Risiken einzugehen,
sowie von der Bereitschaft der Banken, diese Risiken einzugehen, beeinflusst (mehr als die Zinssatzhöhe selbst). Eine Kombination aus Vorsicht auf beiden Seiten kann letztlich ein stärkerer Faktor sein als eine Differenz von einigen Dutzend Basispunkten.
Dies gilt doppelt für kleine und mittlere Unternehmen. Damit sich die Verfügbarkeit von Krediten für kleine Unternehmen sichtbar verbessert, müsste der Grundzinssatz um mindestens einen weiteren halben Prozentpunkt senken. Selbst dann wäre der Effekt jedoch nicht automatisch. Im Fall von kleinen Unternehmen spielen deren Geschichte, Projektplan und sein Risiko oder die Kapitalstärke der Bank (nicht nur der Repo-Zinssatz selbst) ebenfalls eine Rolle bei der Bestimmung des letztendlichen Zinssatzes im Kreditvertrag.
Daher könnte die Entwicklung alternativer Finanzierungen der Verfügbarkeit von Fremdquellen mehr beitragen, als auf eine "wundersame" Senkung des zentralen Zinssatzes zu warten. Dies könnte einen gesünderen Wettbewerbsdruck schaffen und Banken einen Spiegel vorhalten, die in einigen Segmenten risikoscheuer agieren als nötig.
Daher ist das wahrscheinlichste Szenario für unsere Entscheidungsfindung das Warten und die Stabilität der Zinssätze im Jahr 2026. Die Debatte über ihren Rückgang könnte mit neuen Prognosen zurückkehren, insbesondere wenn Inflation und Lohnwachstum überraschend nach unten gehen. Ohne dies wird die Zentralbank jedoch voraussichtlich vorsichtig bleiben. Das ist jedoch nicht unbedingt schlechte Nachricht. In einem Umfeld, in dem wirtschaftliche Entscheidungen auf Vertrauen basieren, kann Stabilität selbst ein wertvoller Anker sein.
Der Artikel wurde ursprünglich auf HN.cz veröffentlicht