Acht Monate sind vergangen, seit Sie die Geschäftsführung der Bildungsgesellschaft „VOX“ übernommen haben. Können Sie zusammenfassen, worauf Sie sich innerhalb der etablierten Bildungsgesellschaft konzentriert haben?

Ja, man könnte sagen, die „Schonzeit“ ist vorbei. Es war eine sehr intensive, aber gleichzeitig inspirierende Zeit. Das Thema Bildung verbindet meine Arbeit bei der VOX- Bildungsgesellschaft mit meiner vorherigen Tätigkeit an der Karlsuniversität – ansonsten befand ich mich jedoch in einem völlig neuen Umfeld, das mich in eine andere Richtung drängt. Das akademische Umfeld basiert schließlich auf einem Apparat, der ihm eine gewisse Stabilität garantiert. Die kommerzielle Bildung ist eine viel größere Wildnis. Der Markt ist unerbittlich und wer mit seiner dynamischen Entwicklung nicht Schritt hält, verliert schnell an Wettbewerbsfähigkeit.

Und um konkret zu sein, war die vergangene Zeit ein Kampf an zwei Fronten. An der unsichtbaren, internen Front galt es, einige Prozesse im Unternehmen zu vereinfachen, um besser auf die sich ständig ändernden Trends im Bildungsbereich reagieren zu können. Wir konzentrierten uns auch auf die Integration der Prozesse mit unserem neuen Eigentümer – der Grant Thornton Gruppe. An der externen Front gelang es uns, neue moderne Klassenzimmer im Prager Pankrác-Stadtviertel einzurichten, unsere Website zu verbessern, einen Verlag zu gründen und unser Produktangebot zu aktualisieren. Kurz gesagt: Langeweile kam nicht auf.

Welche Schwerpunkte haben Sie bei Ihrem Antritt gesetzt?

Ich wollte die VOX weiter als einen Partner profilieren, der nicht nur schult, sondern Einzelpersonen sowie ganze Teams wirklich bei ihrer Entwicklung unterstützt. Für mich stehen die Qualität der Inhalte, die Qualität der Lektoren sowie die Fähigkeit, schnell auf Veränderungen am Arbeitsmarkt und die sich ändernden Bedürfnisse unserer Klienten zu reagieren, im Vordergrund. Wir arbeiten an einer besseren Integration hybrider Bildungsformate, also einer Kombination aus Präsenz- und Online-Ausbildung, sowie an mehr Übersichtlichkeit und Einfachheit für die Kursteilnehmer. Zukünftig bereiten wir außerdem thematische Bildungsreihen und eine Entwicklungsakademie für Firmenklienten vor. Ich baue auf meine Erfahrungen aus dem akademischen Umfeld auf, und einige unserer neuen Produkte werden in diese Richtung entwickelt werden. 

Welche aktuellen Trends beeinflussen den Bildungsbereich (von Einzelpersonen und Unternehmen) in der Tschechischen Republik derzeit am meisten?

Digitalisierung, Flexibilitätsdruck, aber auch die Betonung der Messbarkeit von Bildungsergebnissen sind deutlich spürbar. Viel stärker als früher ist von sogenanntem „Upskilling“ und „Reskilling“ die Rede, also von der ständigen Aktualisierung und Transformation von Kompetenzen. Kürzere und zielgerichtete Bildungsformen mit offizieller Bestätigung – zum Beispiel Mikrozertifikate oder kurze akkreditierte Programme – gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Diese Formate, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes reagieren, ergänzen oder teilweise ersetzen nach und nach klassische langfristige Studienprogramme. Das Interesse an der Entwicklung von Soft Skills und Führungskompetenzen (Leadership) – also von Fähigkeiten, die man nicht einfach „erlernen“ kann – wächst.“.

Verändern sich auch die Erwartungen der Unternehmen an Bildungsgesellschaften?

Zweifellos. Unternehmen suchen heute einen umfassenden Partner, der nicht nur Schulungen durchführt, sondern auch dabei hilft, Lernbedarf zu ermitteln, einen Entwicklungsplan zu erstellen und die Wirkung zu messen. Die Fähigkeit, Schulungen je nach Situation in verschiedenen Formaten – persönlich, online und hybrid – anzubieten, ist entscheidend.

Bewegt sich das gesamte Segment in Richtung Individualisierung und Digitalisierung oder hat die klassische Präsenzschulung weiterhin eine starke Stellung?

Alle diese Bereiche entwickeln sich parallel. Präsenzschulungen haben nach wie vor einen hohen Stellenwert – insbesondere dort, wo Erlebnis, Erfahrungsaustausch und Interaktivität wichtig sind. Online-Schulungen eignen sich hervorragend für eine schnelle und effiziente Informationsvermittlung, beispielsweise im Bereich Gesetzgebung. Individualisierung spielt eine immer wichtigere Rolle – die Teilnehmer wünschen sich Schulungen, die genau ihren Bedürfnissen und ihrem Niveau entsprechen.

Welche Auswirkungen hat Ihrer Meinung nach der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz (AI) auf die Bildung?

Ich sehe AI eindeutig als Chance. Sie ist ein Mittel, das die Vorbereitung, die Materialien und die nachfolgende Wiederholung des Lernstoffs effizienter gestalten kann. Aber persönlicher Kontakt, Erfahrungsaustausch, Diskussionen und die Rolle des Lektoren als Begleiter – das kann AI nicht ersetzen. Es ist wichtig zu lernen, mit AI zu arbeiten, aber man kann ihr nicht die Verantwortung für das eigentliche Lernen übertragen.

Wie reagieren Sie konkret auf den Einsatz von AI bei der VOX? Integrieren Sie künstliche Intelligenz in Ihre Kurse und Programme und auf welche Weise?

Künstliche Intelligenz (AI) wird in unseren Kursen als eigenständiges Thema behandelt – wir lehren, wie man damit arbeitet und sie in der Praxis eingesetzt wird. Gleichzeitig integrieren wir sie schrittweise in die Erstellung von Studienmaterialien und die Kommunikation mit Klienten. Dabei betonen wir aber stets, dass es sich um ein Mittel handelt – nicht um einen Ersatz für Erfahrung, Intuition und kritisches Denken.

Besteht Ihrer Meinung nach die Gefahr, dass durch die AI das Interesse an persönlichen Schulungen „vor Ort“ (face-to-face) abnimmt?

Ich glaube nicht – persönlicher Kontakt gewinnt an Wert. In einer Zeit, in der wir die meisten Informationen online oder mithilfe von AI erhalten können, wächst das Bedürfnis nach menschlichem Kontakt, Informationsaustausch und Diskussion. Präsenzschulungen spielen eine unersetzliche Rolle, wenn es um tieferes Verständnis, Interaktion und Inspiration geht.

Was könnte Ihrer Meinung nach neben AI den Bildungsbereich in den kommenden Jahren grundlegend beeinflussen?

Ich habe bereits erwähnt, dass kurzfristige Bildungsformate mit offiziellem Output auf dem Vormarsch sind. Ich beobachte, dass sich immer mehr Menschen und Unternehmen bei Schulungen nicht nur auf den Erwerb von Informationen, sondern vor allem auf deren praktische Anwendung konzentrieren. Dies gilt sowohl für Soft Skills als auch für berufliche Bereiche – wie Buchhaltung, Steuern oder Gesetzgebung/Recht. Das heutige Tempo ist unerbittlich, der Druck zur Effektivität/Optimierung von Prozessen nimmt zu, und dies führt zu einer Abkehr von traditionellen, auf der Erklärung von Theorien basierenden Bildungsformen. Die Kursteilnehmer wünschen sich konkrete Beispiele, praktische Empfehlungen und die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren oder Fragen zu ihrer eigenen Situation zu stellen. Auch Klarheit ist wichtig – damit selbst komplexe Themen übersichtlich und verständlich dargestellt werden. Das Interesse an maßgeschneiderten Schulungen, die genau auf die Bedürfnisse eines bestimmten Unternehmens oder einer bestimmten Position zugeschnitten sind, wächst. Und nicht zuletzt ist es entscheidend, dass die Kursteilnehmer die für sie passende Trainingsform wählen können – ob persönlich, online oder kombiniert. Ich glaube außerdem – und das sehen wir bereits heute – dass der Schwerpunkt auf Wohlbefinden, psychische Belastbarkeit und die Fähigkeit, die eigene Energie zu managen, zunehmen wird – insbesondere als Reaktion auf das zunehmende Tempo der Änderungen, die hohen Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit und das zunehmende Auftreten von Stress und Erschöpfung (Burnout).